Meilenweit fürs beste Bild


Flugzeuge bringen Menschen zusammen – als Transportmittel, aber auch als Hobby von Reise- und Luftfahrtfans wie den Spottern. Marco Veit ist einer von ihnen. Sein Interesse führt ihn oft dahin, wo seltene Modelle zu finden sind. Zum Beispiel nach Russland und in den Iran.

Wenn Marco Veit einen Urlaub plant, freut er sich, wenn er möglichst lange in Jets sitzt. „Fliegen macht einfach Spaß“, sagt der 32-Jährige aus Plattenhardt, direkt in der Nachbarschaft des Stuttgarter Airports gelegen. Veit ist ein sogenannter Spotter, also ein enthusiastischer Luftfahrtfan, der viel Zeit an Vorfeld-Zäunen verbringt, um schöne Flugzeuge abzulichten. Überall auf der Welt teilen Menschen sein Hobby, vom 12-jährigen Schüler bis zum Rentner.

Bevor Veit zu seinen Reisen aufbricht, kontaktiert er deshalb meist Gleichgesinnte direkt vor Ort. „Es ist unglaublich, wie freundlich und hilfsbereit diese Menschen sind“, berichtet er. „Als ich mich etwa 2014 in den Iran aufgemacht habe, organisierte mir ein einheimischer Spotter Inlandsflüge im Wert von 500 Euro“, zwei dortige Monatslöhne, wie sich später herausstellte. Er legte das Geld voller Vertrauen aus. „Es wäre für mich kaum möglich gewesen, diesen Flug mit einer Boeing 727 von Deutschland aus zu organisieren“, erklärt Veit. „Dass ich dann noch ins Cockpit durfte, war natürlich ein absolutes Highlight.“

"Dort gibt es die besten Modelle"

Selbst hilft er natürlich auch allen, die sich für die Luftfahrt interessieren. Vor einigen Jahren kam er an einem Sonntagnachmittag auf den Feldwegen nahe des Stuttgarter Airports mit einer Frau und deren 13-jährigem Sohn ins Gespräch. „Sie stammten aus Frankfurt und waren auf Familienbesuch in Stuttgart – da gehörte ein kurzer Abstecher zum Airport natürlich dazu“, berichtet Veit. „Ich erzählte beiläufig, dass ich regelmäßig nach Russland reise.“ Anderthalb Jahre später meldeten sich beide wieder bei Veit und sagten, dass sie ihn gerne auf einem Trip begleiten würden. Schließlich fand sich eine Gruppe aus insgesamt sieben Personen, neben drei Bekannten aus Stuttgart reisten ein Nürnberger und die beiden Frankfurter Spotter mit Marco Veit. Warum ihn gerade Russland oder der Iran interessieren, hat dieser schnell erklärt: „Dort gibt es Modelle, die in Europa längst nicht mehr fliegen. In Russland sind noch alte Tupolevs unterwegs, die sieht man in Stuttgart nur bei Löschübungen der Flughafenfeuerwehr.“

Für Spotter ein Highlight: besondere Maschinen in Russland wie diese Tupolev Tu-154M.
Schon als Kind am Zaun

Sein Opa, der als Verkehrsleiter am Stuttgarter Flughafen  arbeitete, nahm ihn als Kind oft mit zum Airport. Von der Besucherterrasse beobachtete der kleine Marco dann die Flugzeuge. Irgendwann fing er an, sie zu fotografieren, einfach, weil es ihm Spaß machte. Zunächst mit einer 1,2-Megapixel-Kamera. Es dauerte nicht lange, da lernte Veit andere Zaungäste kennen, die regelmäßig kamen, und stieß im Internet auf das damals neu gegründete STR-Forum. Einen Monat alt war die Stuttgarter Spotter-Plattform damals und hatte erst dreißig Mitglieder. Mittlerweile sind es über tausend. „Es gibt immer mehr Jüngere, die dazugehören wollen“, berichtet Veit. „Die meisten sind von Instagram-Posts inspiriert und fangen dann selbst an zu fotografieren.“

Und tatsächlich: Während Spotter früher hauptsächlich Flugzeugkennungen sammelten, machen die meisten heute lieber Bilder – so wie Marco Veit. Deshalb besitzt er mittlerweile auch eine professionelle Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv. „Außerdem faszinieren mich seltene Lackierungen und Flugzeugmodelle“, ergänzt er. „Und zwar immer wieder aufs Neue.“

Die besten Plätze zum Fotografieren

Von wo die besten Bilder geschossen werden können, steht im Spotter-Forum, weitere interessante Facts zu den Spotter-Communities am Airport gibt's auch auf der Flughafen-Homepage. Über seine Faszination für Flugzeuge spricht Marco Veit auch regelmäßig bei Führungen.

Außerdem übernimmt er bisweilen die Regie für den Instagram-Kanal des Airports, unter www.instagram.com/stuttgart-airport.



Video: Das Luftfrachtzentrum am Stuttgart Airport
  • Fokus STR
  • Simon Kirchgeßner
  • 11/17