Kunst der Kessel


Weizen, Pils oder trendiges Ale: Viele Biersorten und -marken entstehen mithilfe der Technik der Ziemann Holvrieka GmbH. Die Ludwigsburger Ingenieure planen und bauen schlüsselfertige Brauereien rund um den Globus.

Etwa 105 Liter Bier pro Kopf konsumieren Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Bevor das beliebte Feierabend-Getränk jedoch in Flaschen gefüllt und verkauft werden kann, gärt es oft in großen Kesseln der Ziemann Holvrieka GmbH. Seit über 160 Jahren entwickelt das Unternehmen Brauanlagen. 1852 als Kupferschmiede in Stuttgart gegründet, kauften anfangs hauptsächlich Kunden aus der Region die Kessel und Rohre. Aber schon lange vor der Globalisierung setzte Ziemann auf Export: So lieferten die Schwaben schon um 1904 Anlagen zu Kunden in China. Mittlerweile hat die Firma dort einen eigenen Standort und plant Brauereien überall auf der Welt. „Die Geschmäcker sind verschieden, je nach Region trinken die Menschen andere Sorten gern“, sagt Lars Roed, Geschäftsführer von Ziemann. „Aber egal, welche Note es haben soll, wichtig für die Qualität eines Bieres sind Handwerk, Rohstoffe und die Anlagen. Wir vereinen das Know-how der verschiedenen Bereiche hier.“

Kupferkessel zu Beginn: Bereits 1852 baute Ziemann die ersten Anlagen. Kupferkessel zu Beginn: Bereits 1852 baute Ziemann die ersten Anlagen.
Brewdog vor Braukessel: Die Ludwigsburger Bottiche stehen überall auf der Welt, auch bei den trendigen Craft-Beer-Betrieben.

Dieses Wissen ist gefragt: Seit einigen Jahren baut Ziemann in Piedras Negras, Mexiko, die größte Brauerei der Welt, in der beispielsweise Corona hergestellt wird. Rund 2,75 Milliarden Liter Bier kommen dort insgesamt pro Jahr aus den Ludwigsburger Tanks. Diese Mengen werden in der Craft-Beer-Szene nicht erreicht. Im Gegenteil – die im Trend liegende Bewegung kreiert mit speziellen Zusätzen innovative Biersorten bewusst in kleineren Mengen. Aber auch viele „Crafties“ rühren ihren Sud in Kesseln aus Baden-Württemberg. Ziemann errichtete beispielsweise kürzlich ein Brauhaus für die „BrewDogs“ aus Schottland.

Preisgekrönt und innovativ

Ob für Riesenbrauereien in Übersee oder kleinere Betriebe in Europa – die meisten Gefäße und Tanks werden am bayrischen Produktionsstandort Bürgstadt hergestellt. Dort bauen rund 220 Mitarbeiter Tanks, die länger sind als Reisebusse. Über den Main und übers Meer werden sie auf dem Wasserweg zum Ziel geliefert. In der Ziemann-Zentrale in Ludwigsburg arbeiten weitere 200 Angestellte. Geschweißt wird hier aber nicht. Vielmehr entwerfen die Ingenieure und Braumeister neue Anlagen, und während die Bottiche auf dem Schiff unterwegs sind, reisen die Planer per Flugzeug ab Stuttgart zum Aufbau hinterher.

Außerdem forschen die Spezialisten in Ludwigsburg an Zukunftskonzepten. Eigens dafür gibt es eine kleine Pilotbrauerei. „Hier können neue Rezepturen getestet und Technologien erprobt werden“, erklärt Roed. Eine davon wurde erst 2017 mit dem Handelsblatt Energy Award prämiert: Ziemann entwickelte das Konzept für eine energieautarke Brauerei, die in Straubing bereits in Betrieb ist. „Erhitzen, wieder abkühlen – beim Herstellen von Bier wird viel Energie benötigt. In Straubing ist es bald möglich, ohne fossile Energieträger alle gewünschten Rezepturen herzustellen“, erklärt Roed.

Gewinner des Handelsblatt Energy Awards: Ziemann und die Karmeliten Brauerei.
Lars Roed, Geschäftsführer

»Für ein exportorientiertes Unternehmen wie Ziemann ist es wichtig, den Flughafen in der direkten Nachbarschaft zu haben. Unsere Ingenieure und Vertriebler fliegen immer ab Stuttgart.«

Meilensteine der Firmengeschichte

  • 1852 August A. Ziemann gründet eine Kupferschmiede.

  • 1881 Ziemann liefert den weltweit ersten Kupferdampfkocher aus.

  • 1909 Gärbottiche und Vorratstanks werden jetzt aus Aluminium hergestellt.

  • 1964 Erste Brauhausautomation durch Ziemann.

  • 2004 Gründung der Ziemann Asia-Pazifik Co. Ltd. in Bangkok, Thailand.

  • 2008 Baubeginn der größten Brauerei der Welt in Mexiko.

  • 2017 Das Konzept der energieautarken Brauerei wird prämiert.


  • Nachbar STR
  • Simon Kirchgeßner
  • 11/17