Goldmedaille für Schnapsidee


Der beste Gin kommt aus Stuttgart und trägt den Three-Letter-Code des Landesairports im Namen. Eigentlich wollten die beiden Erfinder nur hobbymäßig brennen – jetzt trinken Gourmets die Spirituose selbst in der höchsten Bar der Welt.

„Das Herz des GINSTR sind seine Inhaltsstoffe“, erklärt Markus Escher, während er den Brennkessel öffnet. Ein aromatischer Duft erfüllt den Raum. „Wir verarbeiten 46 Botanicals“, sagt er und schöpft das sogenannte Mazerat in den kupfernen Kessel. Ungefähr zwölf Stunden lang haben die Inhaltsstoffe zu diesem Zeitpunkt ihre Aromen schon an die Alkohol-Wasser-Mischung abgegeben.  Unter den Pflanzenextrakten sind zum Beispiel Hibiskus-, Orangen- und Holunderblüten, Kardamom dazu Süßholz, Kaffirlimettenblätter – und natürlich Wacholder. 

„Die meisten Zutaten kommen aus Stuttgart und der Region“, so Escher. Im Remstal, zwischen den Weinreben seiner Eltern, gedeiht beispielsweise der Wacholder. „Wo keine Trauben wachsen, bauen wir Beeren an“, sagt er. Zitrusfrüchte und Rosmarin kommen aus Stuttgarter Gärtnereien. „Außerdem ist original Cannstatter Mineralwasser in unserem Gin“, ergänzt Eschers Co-Geschäftsführer Alexander Franke.

Zitrusfrüchte, Holunderblüten und auch Mineralwasser: Ein Großteil der Zutaten sind Stuttgarter Schätze.
Die Mischung macht's: Wenn die 46 Zutaten abgewogen sind, sorgen sie für den preisgekrönten Geschmack.

 Alle Botanicals, die sich nicht in Stuttgart anbauen lassen, beziehen die beiden Gin-Macher von regionalen Händlern – zum größten Teil in der Stuttgarter Markthalle. Dort kaufen sie beispielsweise indonesischen Wildwuchspfeffer. Ein Kilo von dem edlen Gewürz kostet etwa 350 Euro.

„Die wertigen Zutaten geben dem Gin den feinen Geschmack“, so Franke, der wie Escher bereits lange vor der Firmengründung ein Faible für das hippe Szenegetränk hatte. „Als wir einmal in einer Bar zusammensaßen, kamen wir auf die verrückte Idee, unseren eigenen Gin herzustellen“, erinnert sich Franke. „Drei Jahre haben wir an der geheimen Rezeptur getüftelt. Erst als wir hundertprozentig zufrieden waren, haben wir 711 Flaschen hergestellt“, sagt er. Ziel war es, diese innerhalb von etwa einem Jahr zu verkaufen. Doch dann kam die Überraschung: Nach fünf Tagen war der Gin weg.

Wie die Gründer den Drink genießen …

„Unser Gin Tonic wird klassischerweise mit einem Rosmarinzweig und Zitronenzeste zubereitet, dazu ist es wichtig, das Glas bis zum Rand mit Eiswürfeln zu füllen...“

Tipps von den Machern: Alexander Franke und Markus Escher (von links).

„...Als Mischverhältnis empfehlen wir ein Mischungsverhältnis von eins zu drei. Der geringere Anteil hiervon ist natürlich der Gin, je nach Geschmack kann man diesen aber natürlich auch variieren.“

Ein Preis macht heiß

„So richtig durch die Decke ging unser Produkt, nachdem es 2018 prämiert wurde“, sagt Escher. Der Stuttgarter Wacholderschnaps räumte die renommiertesten Trophäen ab: 2018 bekam er in London die Goldmedaille bei den World Spirits Awards. Bei der International Wine and Spirit Competition (IWSC) wurde er von einem Gremium von über 400 Experten zum besten Gin der Welt ausgewählt. „Wir sind immer noch unglaublich stolz auf diese Auszeichnung“, sagt Franke.

In den folgenden Wochen und Monaten hagelte es Interview-Anfragen von nationalen und internationalen Medien, vom Manager-Magazin über den britischen Playboy und der Vogue bis hin zum Handelsblatt. Mit dem öffentlichen Interesse kamen auch Anfragen von edlen Gastronomen aus den verschiedensten Ländern. Seit Anfang des Jahres gibt es den Stuttgart Dry Gin beispielsweise in der weltweit höchsten Bar: Im 118. Stockwerk des Ritz-Carlton-Hotels in Hongkong kann man den trendigen Tropfen mit dem Three-Letter-Code des Airports in 490 Metern Höhe genießen.

2018 bekam GINSTR in London die Goldmedaille bei den World Spirits Awards.

Trotz der großen Nachfrage soll der GINSTR kein Massenprodukt werden: Vom Ernten der selbst angebauten Wacholderbeeren über Mazeration und Destillation bis zur Abfüllung sowie zur Nummerierung ist immer noch alles Handarbeit. Deshalb ist beispielsweise auch die Sonderedition des Airports, die es seit Kurzem gib, limitiert: Lediglich zwei Abfüllungen, also insgesamt 1.422 Flaschen wurden hergestellt.

„Ob London, Hongkong oder andere Orte – wenn wir unseren Gin weltweit bekannt machen, fliegen wir natürlich immer ab Stuttgart“, sagt Franke. „Deshalb sind wir mega stolz, dass wir jetzt auch endlich die Airport-Edition haben“, ergänzt er.

Geht unter die Haut: Alexander Franke ließ sich das GINSTR Logo tätowieren.

  • Region STR
  • Simon Kirchgeßner
  • 08/19