Quadrate zum Anbeissen


Sie passen in jede kleine Tasche und fliegen daher oft als Souvenir von Stuttgart in die Welt: die süßen Tafeln von Ritter Sport. Die Zentrale des bekannten Schokoladenherstellers liegt nur zehn Kilometer vom STR entfernt.

Waldenbuch hat keine 9.000 Einwohner und ist trotzdem ein Weltmarken-Standort. Kaum weht in der kleinen Stadt ein Lüftchen, liegt auch schon der verführerische Duft von Kakao in der Luft – mal fruchtiger, mal würziger und mal etwas karamelliger. 88 Jahre sind vergangen, seitdem sich die Alfred Ritter GmbH & Co. KG hier niederließ und eine Erfolgsgeschichte ihren Lauf nahm. Heute kennen Klein und Groß die farbenfrohen Quadrate, die in über hundert Länder exportiert werden. Auch die Mitarbeiter der Schokoladenfabrik reisen um den Globus, um Zutaten zu testen sowie Kunden und Lieferanten zu treffen. Sie profitieren von der Nähe zum Stuttgarter Flughafen.

„Unsere Zutaten stammen aus aller Welt. Auch unsere Kolleginnen und Kollegen sind viel unterwegs – und reisen dafür über den Airport Stuttgart.“, Andreas Ronken, Vorsitzender der Geschäftsführung der Alfred Ritter GmbH & Co. KG
Regional und international

Milch aus dem Schwarzwald, Nüsse aus der Türkei und Kakao aus Nicaragua: Die Rohstoffe stammen aus der ganzen Welt. Seit 2012 besitzt Ritter Sport eine eigene, 2.500 Hektar große Plantage. Auch aus anderen Ländern, etwa Peru und Ghana, bezieht der Schokoladenhersteller zertifiziert nachhaltigen Kakao. Es dauert lange, bis geerntet werden kann: Nach sechs Jahren trägt ein Baum die ersten Früchte. Nach sechs Monaten können erneut bis zu fünfzig gepflückt werden. In einer Frucht schlummern wiederum rund fünfzig mandelförmige Bohnen. Diese Menge reicht genau für eine Tafel Schokolade.

Zuvor hat der Kakao aber noch einen langen Weg vor sich. Die Bohnen werden zunächst gereinigt, heiß geröstet und dann gemahlen. Zusammen mit Kakaobutter, Milchpulver und Zucker kommen sie in einen 2.500 Kilogramm fassenden Mischbehälter, in dem kräftig geknetet wird. Der Geschmack des Gemischs ähnelt bereits der fertigen Schokolade, die Konsistenz ist aber noch zu grobkörnig. Deshalb zaubern Feinwalzen aus der Masse trockenes Pulver. Eine weitere Portion Kakaobutter sowie der Naturstoff Lecithin lassen die Substanz in der Conchiermaschine wieder cremiger werden. Erst jetzt wird die 45 Grad warme Flüssigkeit in Kunststoffformen gegossen und etwa zwanzig Minuten lang gekühlt. Zu guter Letzt kommt die bunte Verpackung – und fertig ist die Leckerei.

Schokolade für alle Geschmäcker

In Waldenbuch laufen drei Millionen Tafeln über das Band – und zwar täglich. Das entspricht übereinandergestapelt einem Gebilde, das 150 Mal so hoch wie der Stuttgarter Fernsehturm wäre. Einhundert-Gramm-Quadrate sind das Markenzeichen des Hauses. Von Macadamia über Knusperkeks bis Kokos: 28 verschiedene Sorten hat Ritter Sport aktuell im Angebot. Hinzu kommen vegane, laktosefreie sowie saisonale Produkte. Die Klassiker Alpenmilch, Nugat und Marzipan sind in Deutschland besonders beliebt.

Den größten Hype rief allerdings 2016 eine Schokolade in pinkfarbener Glitzerhülle hervor: die limitierte Edition Einhorn. Vor den Ritter-Sport-Läden in Berlin und Waldenbuch bildeten sich lange Schlangen, der Server des Schokoladen-Webshops brach innerhalb von Minuten zusammen. Sämtliche 75.000 Tafeln waren noch am 1. November, dem International Unicorn Day, vergriffen. Es folgte eine Neuauflage von weiteren 150.000 Stück. Dann war Schluss. Der Grund: Die extravaganten Schichten in dreierlei Regenbogenfarben aus dunkler Johannisbeere, rosa Himbeere und weißem Joghurt mit kleinen Fruchtstückchen erforderten eine spezielle Anlage, die nur 2.000 Tafeln pro Stunde herstellen kann. Jasmin Krause, Marken-Managerin bei Ritter Sport, meint zudem: „Der besondere Reiz ist eben, dass es die Limited Editions nur für einen kurzen Zeitraum gibt.“

Von Käsespätzle über Döner-Kebap bis hin zu Toast Hawaii: Krause lacht oft über skurrile Fake-Sorten, die Fans regelmäßig auf den Social-Media-Kanälen von Ritter Sport teilen. Schokoladenmasse auswählen, Zutaten hinzugeben, Namen und Design festlegen: Wer eine Idee für eine neue Sorte hat, kann auf dem Blog unter der Rubrik Sortenkreation selbst aktiv werden. Und manchmal findet ein Vorschlag tatsächlich den Weg in die Schoko-Produktion – wie etwa im Jahr 2014 die Äffle-und-Pferdle-Edition mit Hafer-Knuspermüsli und Bananen-Crisp.

Quadratisch, praktisch, magisch: Die limitierte Schokolade von Ritter Sport verzauberte im Jahr 2016 nicht nur Einhorn-Fans. Schon nach kurzer Zeit war die Sonderedition ausverkauft.
Meilensteine der Firmengeschichte

 

  • 1912 – Alfred und Clara Ritter gründen in Bad Cannstatt eine Schokoladenfabrik.

  • 1930 – Umzug nach Waldenbuch

  • 1932 – Ritterschokolade wird quadratisch.

  • 1974 – Jede Sorte erhält eine charakteristische Farbe.

  • 1991 – Ritter Sport stellt auf vollrecyclingfähige Verpackungen um.

  • 2014 – Die beliebtesten Sorten gibt es jetzt auch laktose- und glutenfrei.

  • 2015 – Andreas Ronken übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung.

  • 2018 – Umstellung auf 100% zertifiziert nachhaltigen Kakaobezug.

 


  • Region STR
  • Christine Dachs
  • 11/17