Sägen mit Stihl


Ob Hobby-Baumfäller oder Profi-Waldarbeiter – wer Holz in Einzelteile zerlegen will, greift oft zu Geräten der Marke Stihl. Mit einer bahnbrechenden Erfindung revolutionierte der Firmengründer einst die Forstwirtschaft, heute setzt das Waiblinger Unternehmen auf Digitalisierung.

Quelle: Stihl

Rekord: Über zehn Millionen Motoreinheiten gingen bei Stihl im vergangenen Jahr über die Ladentheke, damit kommt die seit über 47 Jahren meistverkaufte Motorsägen Marke der Welt auch 2017 wieder aus Baden-Württemberg. Vom Trennschleifer über die Heckenschere bis zum Rasenmäher – längst sind nicht mehr nur Sägen im Angebot. Die weltweit rund 15.900 Mitarbeiter produzieren allerhand Geräte, bei denen sich scharfe Klingen drehen.

Quelle: Stihl Profigeräte von Stihl kommen längst nicht mehr nur im Wald zum Einsatz. Dieser Trennschleifer kann zum Beispiel Beton sägen.
Anbindung als großes Plus
Quelle: Stihl „Als weltweit tätiges Unternehmen ist für Stihl die Nähe und gute Anbindung zum Flughafen ein großes Plus“, Dr. Bertram Kandziora, Vorstandsvorsitzender der Stihl AG

Und das Produktportfolio wächst ständig weiter: Rund 600 Entwickler tüfteln am Stammsitz in Waiblingen an neuen Technologien und verbessern die aktuellen. Gefertigt wird an sieben Standorten weltweit. Ingenieure, Vertriebler und auch die Geschäftsführung sind daher viel und oft unterwegs. „Am häufigsten führen mich meine Reisen von Stuttgart zu den Flughäfen von São Paulo, Hongkong oder Shanghai“, sagt der Vorstandsvorsitzende Dr. Bertram Kandziora. Für Produktion und Marktwirtschaft zuständig, besucht er die diversen Standorte regelmäßig. „Deshalb ist die Nähe und gute Anbindung zum Flughafen ein großes Plus für uns“, sagt er.

Die internationale Ausrichtung ist tief in der Unternehmens-DNA verwurzelt. Nur acht Jahre, nachdem der junge Ingenieur Andreas Stihl 1929 die erste motorisierte Zwei-Mann-Säge auf den Markt brachte, verkaufte seine Firma Geräte in Kanada und Amerika. Seine Erfindung war ein Quantensprung in der Branche und erleichterte die Waldarbeit enorm – zuvor war die Forstpflege nur mit Muskelkraft möglich. Damit gilt Stihl sowohl wegen seines Produkts als auch hinsichtlich des globalen Vertriebs als großer Innovator.

Blumengießen per App

Aktuell laufen die Geschäfte besser denn je: Weltweit erwirtschaftete die Stihl-Unternehmensgruppe im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro. „Gegenüber 2016 ist das eine Steigerung von 9,7 Prozent", sagt Dr. Kandziora. Neben Benzinmaschinen verkaufte Stihl viele Geräte mit Akkuantrieb. Auf diese Sparte setzt das Familienunternehmen bereits seit über zehn Jahren und will sie auch in der Zukunft weiter ausbauen. „In der nächsten Zeit könnte außerdem die Digitalisierung eine Wachstumslokomotive für Stihl werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Ein Assistenzsystem ermöglicht beispielsweise die sprachbasierte Kartierung und Datenerfassung im Wald.“ Die smarten Infos helfen Holzfällern und Revierförstern bei der nachhaltigen Pflege ihres Gebiets.

Städtische Grünflächenämter, Vereine und Hausbesitzer sind hingegen die Zielgruppen der neuen Stihl Entwicklung Smart Garden Hub: Mit Hilfe von Wetterdaten können Parkanlagen, Sportplätze und private Vorgärten ressourcenschonend per App bewässert werden. „Das vereinfacht die Grünpflege und reduziert den Wasserverbrauch um bis zu fünfzig Prozent“, so Dr. Kandziora.

Dennoch vernachlässigt Stihl nicht seine Kernkompetenz. So bringt das Unternehmen 2018 die erste Motorsäge mit elektronischer Einspritzung auf den Markt. Mit diesen und vielen weiteren Innovationen bringt Stihl Produkte von Stuttgart in die Welt – so wie es der Firmengründer Andreas Stihl bereits vor über 90 Jahren tat.

Quelle: Stihl Entwicklung am Standort Waiblingen: Bevor Geräte verkauft werden, werden sie auf Herz und Nieren getestet.
Meilensteine der Firmengeschichte

  • 1929 – Die erste Zwei-Mann-Benzinmotorsäge erleichtert die Arbeit im Wald.

  • 1937 – Stihl exportiert nach Amerika und Kanada.

  • 1959 – Die getriebelose Benzinmotorsäge Contra revolutioniert die Waldarbeit.

  • 1973 – Gründung der Produktions- und Vertriebsgesellschaft in Brasilien.

  • 1977 – Die ersten Motorsensen für Privatpersonen erobern den Markt

  • 2014 – Erster Trennschleifer mit Akku-Antrieb hergestellt


  • Region STR
  • Simon Kirchgeßner
  • 11/17