Barrierefrei zum Boarding


Check-in, Sicherheitskontrolle, Fluggasttreppe – die Stationen bis zu ihrem Sitzplatz sind für die meisten Passagiere kein Problem. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist die Strecke jedoch eine Herausforderung. Das Airport-Team unterstützt sie.

Es klingelt in Lydia Bogdans Hosentasche. Rasch greift sie zum Pager, der immer dann ertönt, wenn ein Fluggast Hilfe braucht. „Hier sitzt eine Passagierin, die nach Istanbul reist. Sie kann nicht alleine zum Gate laufen“, gibt eine Kollegin der Fluggastinformation durch. Bogdan schnappt sich einen der zwanzig Rollstühle, die neben ihrem Büro stehen, und macht sich im Eiltempo auf ins Terminal 3. Dort wartet am Check-in-Schalter 330 schon Gonca Rodopman auf die Mitarbeiterin des Boarding Supports. Dieser gehört zur Flughafen-Tochter Stuttgart Airport Ground Handling (SAG), die sich auch um Flugzeug- und Gepäckabfertigung am STR kümmert.

Lydia Bogdan begrüßt Gonca Rodopman fröhlich, bittet sie, ihre Jacke auszuziehen, den Geldbeutel in die Handtasche zu packen und erkundigt sich nach Bordkarte sowie dem Reisepass. „Wir versuchen, unnötige Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle zu vermeiden,“ erklärt Bogdan das Prozedere. „Wir fragen beispielsweise auch vorab, ob die von uns betreuten Personen Flüssigkeiten bei sich tragen.“ Dann geht es los. „Achtung Rollstuhl, Achtung bitte“, ruft die SAG-Mitarbeiterin, als sie beim Security-Check ankommen. Entschlossen läuft sie mit ihrer Kundin an den wartenden Passagieren vorbei. „Fluggäste mit körperlichen Einschränkungen sind immer zuerst an der Reihe“, erklärt Bogdan. Während das Gepäck durch den Scanner rollt, wird Gonca Rodopman abgetastet und der Rollstuhl – obwohl Airport-Equipment – gründlich untersucht.

Der Pager, den Lydia Bogdan immer bei sich trägt, teilt ihr alle nötigen Informationen über die Passagiere mit.
Hublifter erleichtert Einsteigen
Mit dem Hublifter gelangen die Passagiere direkt in das Flugzeug.

Die Schicht von Lydia Bogdan dauert heute neun Stunden. Vierzig Personen sind in dieser Zeit für den kostenfreien Boarding Support angemeldet. In der Hauptsaison im Sommer können es pro Tag sogar bis zu 200 sein. Trotzdem gilt: „Wir bemühen uns, immer freundlich zu sein, egal, wie viel los ist“, so Bogdan, und fährt fort: „Es ist besonders wichtig, die uns anvertrauten Fluggäste in keiner Situation allein zu lassen. Sie sollen sich, bis sie in der Maschine sind, rundum auf uns verlassen können.“ Gonca Rodopman hat die Sicherheitskontrolle passiert. Die SAG-Mitarbeiterin bringt sie ans Gate und verabschiedet sich. Lydia Bogdan ist zufrieden, wenn alles wie geplant abläuft. „Ich habe schon mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun gehabt. Es macht mich glücklich, ihnen zu helfen.“ Dann klingelt es erneut in ihrer Hosentasche. Der nächste Passagier wartet.

Auf dem Vorfeld ist jetzt Bogdans Kollege Alexander Cvetkovic an der Reihe. Er fährt Gonca Rodopman zu einem sogenannten Hublifter. Dieser funktioniert ähnlich wie ein Aufzug: Das Gerät kann hoch- und heruntergelassen und seine Liftfläche direkt bis an den Eingang des Flugzeugs bewegt werden. Neben dem Hublifter gibt es am Airport außerdem elektrische Treppensteiger, die den Passagieren den Einstieg so angenehm wie möglich machen.

Rodopman sitzt bereits in der Maschine, als die restlichen Passagiere im Flugzeug eintreffen. „Reisende mit Einschränkungen dürfen immer zuerst boarden“, erklärt Cvetkovic. Sind diese nicht in der Lage, vom Hublifter zu ihrem Sitzplatz zu laufen, schieben die SAG-Mitarbeiter sie auf einem speziellen Stuhl in die Maschine. „Flugreisen sollten doch immer möglich sein, auch, wenn jemand nicht so beweglich ist“, sagt Alexander Cvetkovic.

Schon gewusst...?

  • Insgesamt sind 84 Mitarbeiter beim Boarding Support tätig, davon helfen zehn im Bereich des Terminals und 74 auf dem Vorfeld.
  • Das Team des Boarding Supports am Flughafen Stuttgart unterstützte im Jahr 2017 rund 70.000 Passagiere.
  • Der Service ist von 4:00 bis 24:00 Uhr buchbar und sollte spätestens 48 Stunden vor Abflug angemeldet werden. Er ist kostenlos und gilt für Einzelpersonen mit einer Begleitung, sofern diese die Unterstützung nicht leisten kann. Das Terminalbüro befindet sich in der Abflugebene zwischen Terminal 1 und Terminal 3.
  • Der eigene Rollstuhl kann als Sperrgepäck in Terminal 3 abgegeben werden.
  • Am Stuttgarter Flughafen gibt es insgesamt 57 Aufzüge. Die Zugänge von den S-Bahn-Stationen und Parkplätzen in die Terminals sind barrierefrei.
  • Weitere Informationen gibt es unter www.flughafen-stuttgart.de/vor-dem-flug/barrierefreier-flughafen.


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  • Sheva Hosseini-Khorassani
  • 05/18