Boeing beim Boxenstopp


Tanken, laden, boarden: Die Minuten, die ein Flugzeug am Boden verbringt, sind streng durchgetaktet. Zwischen Landung und Start ist deutlich mehr zu koordinieren als bei einem Reifenwechsel in der Formel 1. Einsatz für das Team Abfertigung!

Mit rund 280 Stundenkilometern bewegt sich eine Boeing 767-400 aus Atlanta auf die Start- und Landebahn des Stuttgarter Flughafens zu. Nur wenige Momente später, um kurz vor neun, trifft die Maschine der Delta Air Lines auf ihrer Parkposition ein, an der bereits eine etwa 25-köpfige Mannschaft mit rund zwanzig unterschiedlichen Fahrzeugen auf sie wartet. Um 10:40 Uhr soll das Flugzeug wieder in die Luft gehen, damit verbringt es schon deutlich mehr Zeit am Boden als andere. Zwischen Touchdown und Start bleibt oft nur eine halbe Stunde.

Team im Turnaround

Sobald die Maschine zum Stehen gekommen ist, die Triebwerke abgestellt sind, die Warnlichter ausgehen und Bremsklötze die Fahrwerksreifen fixieren, beginnt die Abfertigung. Jetzt steuern Tankwagen, Gepäckförderband und Co. die Boeing an. Wer ist Teil des Teams?

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Ramp Agenten bilden die Schnittstelle zwischen Cockpit-Crew, Gatepersonal, Vorfeldmitarbeitern und dem Operations-Büro. Die „Rampis“ haben die Übersicht über die gesamte Abfertigung sowie den Zeitplan. Auch die Sicherheit haben sie immer im Blick: Schließlich soll das Flugzeug nicht nur pünktlich, sondern auch einwandfrei wieder starten.

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Per Joystick bewegen die Abfertiger die Fluggastbrücke und docken sie an der Maschine an. Daumen hoch: Das Kabinenpersonal signalisiert mit dem Handzeichen, dass die Tür nun von außen geöffnet werden darf. Jetzt können Passagiere und Crew das Flugzeug verlassen. Steht es hingegen weiter draußen auf dem Vorfeld, rollen Fluggasttreppen und Elektrobusse heran.

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Der Frischwasserservice befüllt die Wassertanks an Bord. Das Fahrzeug rollt dafür an den Rumpf des Jets, öffnet eine Klappe und schließt den Schlauch an. Die Airline rechnet mit durchschnittlich drei Litern pro Passagier – für warmes Essen, Händewaschen und die Toilettenspülung. Das Schmutzwasser und die Hinterlassenschaften der Fluggäste sammeln sich hingegen in einem Tank am Heck der Boeing. Den entleert der Toilettenservice und fährt weiter zur Entsorgungsanlage des Flughafens.

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Der Tankwagen pumpt den Treibstoff in die Tragflächen. 2.300 Liter pro Minute: Die Zahl an der Anzeige schießt blitzschnell in die Höhe. Je nach Flugzeugtyp variiert das Fassungsvermögen – bei der Boeing 767-400 sind es maximal rund 90.000 Liter Treibstoff. Das ist aber abhängig von der Flugstrecke, dem Gesamtgewicht sowie dem Wetter. Nach rund dreißig Minuten ist die Maschine vollgetankt.

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Kofferpacken für Profis: Sobald die Laderaumtüren des Jets geöffnet sind, können Förderband und Hubgerät dicht an die Maschine heranfahren. Das Gepäck der Delta-Passagiere befindet sich heute in 16 Containern – bereits sortiert nach Fluggästen, die in Stuttgart ankommen, umsteigen oder ein sogenanntes Priority-Boarding gebucht haben. Kaum ausgeladen, rollen bereits die neuen Container auf Dollies heran. Fünf Kinderwagen und sieben Koffer mit Stand-by-Anhänger kommen in den hinteren separaten Stückgutladeraum.

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Sobald der letzte Passagier die Maschine verlassen hat, legt der Cleaning-Service los. Nach rund zehn Stunden Flugzeit häuft sich so einiges an Abfall – von gelesenen Zeitschriften bis hin zu leeren Trinkbechern. Nach dem Einsammeln geht es ans Wischen und Polieren: 246 Sitzplätze und 120 Fenster kommen unter den Lappen. Um letzte Krümel zu entfernen, wird der rund fünfzig Meter lange Innenraum gründlich durchgesaugt. Zeit kostet es, wenn ein Kaugummi an den Sitzplätzen oder Tomatensaft auf dem Teppichboden klebt.

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Der Cateringdienst bringt die Bordverpflegung in zwei Hubwagen. Vier Stützfüße festigen die thermoisolierten Transporter, bevor es zu den rechten Servicetüren hochgeht. Der Lieferant entleert die insgesamt fünf Bordküchen und befüllt sie wieder mit vollgeladenen Speisewagen. Die Auswahl heute: Gegrilltes Rindfiletsteak, gebratene Hähnchenbrust, gegartes Kabeljaufilet oder Lasagne mit Burrata. In den Trolleys mit den Getränken gibt es für die Business-Class zudem eisgekühlten Sekt.

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Transporter fahren Container und Paletten mit Fracht zur Parkposition der Delta-Maschine. Bei Passagierfliegern wird von Beifracht gesprochen. Mit Hubgeräten geht es dann hoch zum vorderen Laderaum auf der rechten Seite des Flugzeugs. Maximal 205.000 Kilogramm darf es beim Start auf die Waage bringen. Der Ramp Agent hat das Gewicht immer im Blick – und natürlich auch, dass es gleichmäßig verteilt ist.

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Den buchstäblich schwersten Beruf haben die 13 Schlepperfahrer am STR: Mit einem Pushback-Schlepper schieben sie gigantische Jets von den Parkpositionen auf die Vorfeld-Rollbahn. Dafür deaktivieren die Airport-Mitarbeiter mit dem sogenannten Steering Pin zunächst die flugzeugeigene Steuerung. Danach fixieren sie die Schubstangen zwischen ihrem Fahrzeug und dem Bugrad der Boeing. Acht Meter Länge treffen auf ein sechzig Meter langes Flugzeug und sechzig Tonnen stemmen 205 Tonnen.

Einer von 188 Boxenstopps

Wie schnell eine Maschine wieder abheben kann, hängt davon ab, ob ihr ein Kurz-, Mittel- oder Langstreckenflug bevorsteht und was zugeladen wird. Die insgesamt 260 Bodenabfertiger am Airport schuften bei Wind und Wetter sowie im Schichtdienst, von der ersten Maschine um 06:00 Uhr bis zur letzten um 23:30 Uhr.

Checkliste eines Ramp Agent

  • „Walkaround“ auf der Parkposition: Scharfer Blick auf schädliche Gegenstände!
  • Haben alle Passagiere die Maschine verlassen? 
  • Ausladung überwachen: Ist das Gepäck mit Priority-Anhänger schon auf dem Weg?
  • Frachtkontrolle: Sind alle Container vor Ort? Stimmt das Gewicht?
  • Passt die Frischwasser- und Tankmenge?
  • Türen für Catering- und Cleaning-Service öffnen und schließen.
  • Ist die Abfertigung im Zeitplan?
  • Vom Wetterbericht bis zum Loadsheet: Die wichtigsten Informationen gehen an die Cockpit-Crew.


  • Stories STR
  • Christine Dachs
  • 08/19