Höhenflug mit Segelfliegern


„Fliegerstadt“, so lautet der Beiname der Stadt Kirchheim unter Teck. Am Himmel der baden-württembergischen Ortschaft: Segler aus dem Hause Schempp-Hirth.

Discus, Nimbus oder Ventus – das sind nur einige der Siegermodelle vom zweitältesten Segelflugzeugbauer der Welt. Insgesamt zwei Weltrekorde und mehr als dreißig Weltmeistertitel wurden mit den motorlosen Maschinen bisher erflogen. Das Erfolgsrezept: Hightech-Segelflugzeuge aus Kohlefaser. „Der Stoff ist stabiler als Werkzeugstahl, dafür aber zehn Mal leichter – so gleitet man wie eine Feder sicher durch die Luft “, sagt Tilo Holighaus, Geschäftsführer von Schempp-Hirth. Er selbst übernahm den Betrieb, zusammen mit seiner Mutter Brigitte und seinem Bruder Ralf, nachdem sein Vater Klaus Holighaus bei einem Unfall 1994 verunglückte. „In den 1970er Jahren war er es, der den Segelflugzeugbau bei Schempp-Hirth mit der Kohlefaserbauweise revolutionierte. Vor dieser Zeit wurden die Maschinen noch aus Holz gebaut und waren dementsprechend schwer“, sagt der 47-Jährige.

Das Unternehmen gehört heute zu den Marktführern im Segelflugzeugbau. Jährlich werden bis zu hundert Modelle produziert, davon gehen über die Hälfte ins Ausland. „Unsere Auftraggeber kommen aus Australien, Brasilien, Japan und anderen Teilen der Welt“, erzählt Holighaus. „Einige Piloten reisen extra an, um den Bau ihrer Maschine vor Ort zu begleiten. Daher ist die Anbindung an den Stuttgarter Airport besonders wichtig. Nach einem langen Flug können sie in nur einer Viertelstunde bei uns sein.“

Bauklotz-Prinzip: Ein Segelflugzeug lässt sich in fünf bis zehn Minuten zusammenstecken. Bauklotz-Prinzip: Ein Segelflugzeug lässt sich in fünf bis zehn Minuten zusammenstecken.
Segelfliegen im Verein
Beim Segelfliegen kommt es auf Präzision an. Der Blick von oben auf den Airport ist aber auch nicht zu verachten. Beim Segelfliegen kommt es auf Präzision an. Der Blick von oben auf den Airport ist aber auch nicht zu verachten.

Bis ein Segelflugzeug fertiggestellt ist, vergehen bis zu sechs Monate. „Einsitzer beanspruchen ungefähr Tausend Arbeitsstunden, Doppelsitzer das zweifache Pensum“, so der Geschäftsführer, der selbst leidenschaftlicher Segelflieger ist. Das Unternehmen ist im Segelflugzeugbau eine der größten gewerblichen Ausbildungsstätten im Raum Stuttgart. „Unsere Mitarbeiter müssen technisch und handwerklich fit sein, denn wir fertigen nicht nur Segelflugzeuge an, sondern konstruieren sie auch“, sagt Holighaus.

Der Flugplatz Hahnweide in Kirchheim unter Teck ist unter Segelpiloten sehr bekannt. Sie schätzen insbesondere die Wetterbedingungen in der Region. „Hier im Südwesten haben wir mit die meisten Sonnenstunden in Deutschland“, so der studierte Maschinenbauer. Ideal, denn Segelflugzeuge nutzen die Thermik, also warme, aufsteigende Luft, um oben am Himmel zu bleiben. Mittlerweile gibt es aber auch motorisierte Maschinen. Der Antrieb ist eingebaut, damit sie eigenständig starten und ohne Schlepper aufsteigen können, oder damit sie bei ausbleibendem Aufwind nicht zwangsläufig landen müssen.

„Segelflug ist eine der kostengünstigeren Sportarten“, sagt Holighaus. „Wer fliegen möchte, der kann das in einem Verein tun. Dort stehen jedem, für einen überschaubaren Jahresbetrag, die Maschinen zur Verfügung.“ Bereits im Alter von 14 Jahren kann das Fliegen erlernt werden, mit 16 folgt dann der Flugschein. „Wer später einmal große Flugzeuge steuern möchte, für den ist Segelfliegen genau das Richtige, denn es kommt dabei auf Präzision an – und die ist vor allem in Ausnahmesituationen wichtig“, erklärt der Geschäftsführer, „Chesley B. Sullenberger, der Pilot, der damals auf dem Hudson River landete, geht als bestes Beispiel voran. Er selbst ist aktiver Segelflieger und ich bin davon überzeugt, dass er nur deshalb unversehrt auf dem Fluss aufsetzen konnte.“

Unsere Passion ist das Fliegen, die haben wir mit dem Stuttgarter Flughafen gemeinsam.“

Tilo Holighaus, Geschäftsführer Schempp-Hirth Tilo Holighaus, Geschäftsführer Schempp-Hirth
Meilensteine der Firmengeschichte

  • 1935 – Gründung der Firma Schempp-Hirth in Göppingen
  • 1938 – Umzug des Betriebs nach Kirchheim/ Teck
  • 1965 – Klaus Holighaus tritt in die Firma ein.
  • 1977 – Einführung der Kohlefasertechnologie beim Bau von Segelflugzeugen
  • 2010 – Das Modell Arcus E ist das erste in Serie gebaute doppelsitzige Segelflugzeug mit Elektroantrieb.
  • 2016 – Piloten auf Schempp-Hirth Maschinen gewinnen acht von neun Medaillen bei der Segelflug-WM in Litauen

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