Kleine Kraftpakete


Wenn Großes bewegt wird, sind häufig Fahrzeuge der Firma Goldhofer gefragt. Das Unternehmen produziert Spezialvehikel – beispielsweise Fracht- und Pushback-Schlepper für Airports. Bei elektrischen Antrieben für das sogenannte Ground Support Equipment ist das süddeutsche Unternehmen weltweit führend.

Weil Jets keinen richtigen Rückwärtsgang haben, holt sich die Cockpit-Crew Hilfe, wenn es in Richtung Heckflosse gehen soll. Schlepper schieben die bis zu 600 Tonnen schweren Maschinen so in Position, dass Airbus, Boeing und Co. nur noch der Nase nach rollen müssen. Den sogenannten Pushback erledigen an vielen Airports Vehikel der Firma Goldhofer, so auch in Stuttgart. „Mit unserer Niederlassung in Ostfildern sind wir ja quasi um die Ecke des Flughafen STR“, sagt Lothar Holder, Sprecher des Vorstands der Goldhofer AG. Von der Nähe zum Flughafen profitieren insbesondere die Ingenieure, die neue Modelle entwickeln – beispielsweise den Sherpa E. In vierfacher Ausführung ist das neuste Mitglied in der Fahrzeugfamilie seit kurzem am STR vertreten. Bereits seit mehreren Jahren werden diese Frachtschlepper in Stuttgart getestet, jetzt finden Kunden weltweit die mit einer 400 Volt starken Lithium-Ionen-Batterie ausgestatteten Kraftprotze auch offiziell im Goldhofer-Portfolio. „Wir können unsere Neuentwicklungen schon seit Jahren im Echtbetrieb auf dem Flughafen Stuttgart testen“, so Holder. „Das liefert wertvolle Erkenntnisse für Verbesserungen, von denen beide Partner profitieren.“

347.450 Kilogramm - so schwer darf eine Boeing 777F maximal sein, wenn sie abhebt. Die Schlepper brauchen also ordentlich Power, um die Maschinen pushen zu können.
Lothar Holder ist Sprecher des Vorstands der Goldhofer AG und Leiter der Airport-Technology-Abteilung des Unternehmens.

„Unsere Neuentwicklungen können wir im Echtbetrieb auf dem Flughafen Stuttgart testen. Das liefert wertvolle Erkenntnisse für Verbesserungen, von denen beide Partner profitieren.“

Neben den neuen E-Sherpa ist der STR Arbeitsplatz vieler weiterer Goldhofer-Geräte. Beispielsweise des Bison, ein konventioneller Pushback-Schlepper, der aktuell noch größtenteils mit Dieselantrieb läuft. Einer von ihnen steht jedoch bereits unter Strom. „Der E-Bison ist derzeit im Testbetrieb. Bisher macht er einen super Eindruck“, sagt Peter Giersdorf, Abteilungsleiter für Fahrzeuge am STR. „Goldhofer ist bei elektrischen Antrieben für Ground Support Equipment (GSE) weltweit am fortschrittlichsten. Insbesondere, weil die Fahrzeuge berührungssicher sind, dass man sie also zu jeder Zeit an jeder Stelle anfassen kann, erleichtert die Arbeit an vielen Stellen – etwa an den Sicherheitskontrollen“, so der E-Fahrzeug-Experte.

Im Testbetrieb: Der Bison mit der Batterie.
Schon gewusst, …
… warum Flugzeuge nicht alleine rückwärts rollen?

Einen Rückwärtsgang wie beim Auto gibt es bei Flugzeugen nicht – mithilfe eines Hebels können Pilotinnen und Piloten zwar den sogenannten Umkehrschub aktivieren, der Jets nach hinten bewegt, das kommt allerdings nicht oft vor. Normalerweise hilft ein Schlepper, die Maschine in die richtige Position zu bringen. Beim sogenannten Pushback schieben die Kraftpakete Jets so weit zurück, bis sie ohne Probleme nach vorne rollen und sich auf den Weg zur Startbahn machen kann.

Goldhofer verlädt Flügel

Neben konventionellen und stangenlosen Flugzeug-, Fracht- und Gepäckschleppern, die an über 160 Airports rund um den Globus unterwegs sind, entwickelt die Goldhofer AG auch Transportlösungen sowie umfangreiches Spezialzubehör für den Einsatz abseits von Airport-Vorfeldern, etwa Anhänger für übergroße Gegenstände wie Bagger oder Flügel von Windrädern. Diese außergewöhnlichen Geräte entstehen am Hauptsitz der Aktiengesellschaft, im bayrischen Memmingen. Erstmals erwähnt wird die Firma dort im Jahr 1705, während der Stuttgarter Standort erst seit sechs Jahren zur AG gehört. Zuvor wurden die Fahrzeuge aus Ostfildern von der Firma Schopf hergestellt und vertrieben, die Goldhofer 2013 übernahm. Deshalb kann es vorkommen, dass Passagiere auch am STR noch in Maschinen sitzen, die von einem Schlepper mit Schopf-Schriftzug auf den ersten Metern rückwärts Richtung Urlaub gepusht werden.

So sah der erste stangenlose Flugzeugschlepper aus, der 1987 die ersten Maschinen Richtung Runway pushte.
Meilensteine der Firmengeschichte

1705 - Erste Nennung des Goldhofer Schmiede- und Landwirtschaftsbetriebs in Memmingen

1946 - Offizielle Firmengründung durch Alois Goldhofer

1987 - Einführung des weltweit ersten stangenlosen Flugzeugschleppers

2000 - Goldhofer KG wird Aktiengesellschaft

2013 - Übernahme der Schopf-Gruppe in Ostfildern

2019 - Markteinführung des Sherpa Elektroschleppers, der am Stuttgart Airport entwickelt wurde.

 

 


  • Region STR
  • Simon Kirchgeßner
  • 10/19