Von Filzfilter bis Feinstaubfresser


Als in Deutschland Ende der 1940er-Jahre die ersten VW Käfer vom Band rollten, stammten ihre Luftfilter bereits von Mann und Hummel. Heute testet der Weltmarktführer Filtersysteme, die bei Feinstaubalarm in Städten helfen sollen.

Anbindung als großes Plus
Markus Wolf, Werksleiter bei Mann und Hummel in Ludwigsburg, sagt: „Die Nähe zum Stuttgarter Flughafen ist von unschätzbarem Wert!“

Ob zu Hause, im Auto oder am Arbeitsplatz – alle kommen täglich mit ihnen in Kontakt: Filter. Oft fallen sie gar nicht auf, sorgen aber ständig für saubere Luft und gute Wasserqualität. Entwickelt und hergestellt werden die Saubermacher beispielsweise vom Familienunternehmen Mann und Hummel aus Ludwigsburg. „Das Ziel ist immer das Gleiche – Nützliches von Schädlichem zu trennen“, erklärt Markus Wolf, Werksleiter am Firmensitz. Die Einsatzgebiete sind allerdings äußerst unterschiedlich – in Fahrzeugen, industriellen Anlagen, Operationsräumen von Kliniken, in Klärwerken oder bei der Meerwasserentsalzung sind die Produkte zu finden.Wer am Stuttgarter Neckartor vorbeifährt, kann am Straßenrand eines der neusten Projekte der Ludwigsburger sehen: Sogenannte Filter Cubes sollen mithilfe von Ventilatoren dafür sorgen, dass die Umgebungsluft aktiv gesäubert wird. Seit 2017 testet Mann und Hummel in Kooperation mit der Technologieplattform Feinstaubfresser diese stationären Partikelfilter. „Unser Ziel ist, sie nicht nur beim Feinstaubalarm in Stuttgart einzusetzen, sondern für eine bessere Luft in Metropolen auf der ganzen Welt zu sorgen“, so Wolf.

Ganzer Globus im Fokus

Wie bei der aktuellen Feinstaubthematik gibt es ständig neue Einsatzgebiete für Filtersysteme. Deshalb sind unter den 20.000 Mitarbeitern rund 1.200 Forscher, die an innovativen Lösungen für alle Herausforderungen weltweit arbeiten.

Bereits früh setzte das Familienunternehmen auf Internationalisierung. Nachdem Ende der 1940er-Jahre die ersten VW Käfer mit Filzkegelluftfilter von Mann und Hummel vom Band rollten, stieg die Nachfrage auch außerhalb Deutschlands stetig. Deshalb etablierte die Ludwigsburger Firma bis 1956 elf Vertriebsvertretungen in Europa. Außerdem vergab sie Produktionslizenzen in Länder auf allen Kontinenten: unter anderem nach Ägypten, Chile, Indien, in die Türkei und den Iran, ins ehemalige Jugoslawien, Ungarn, Mexiko, Südafrika sowie nach Brasilien und Argentinien.

So sehen Kraftstofffilter für Pkw von innen aus.
Das Technologiezentrum von Mann und Hummel in Ludwigsburg erinnert an das Kernprodukt des Filtration-Spezialisten.

„Bereits in dieser Zeit war die Nähe zu einem Flughafen sehr wichtig. Heutzutage produzieren wir vor Ort für unsere Kunden an achtzig Standorten auf der ganzen Welt und transportieren unsere Filter meist per Schiff und Lkw“, sagt Wolf. „Gibt es allerdings Lieferrückstände oder gar Produktionstopps, schätzen wir die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Flugtransporte vom Stuttgarter Airport. Von dort starten auch unsere Mitarbeiter häufig, wenn es zu anderen Standorten geht.“

Die Produktionsrate ist hoch: Pro Sekunde stellt Mann und Hummel rund um den Globus 2,6 Filter her. Insgesamt erwirtschaftete das Familienunternehmen durch Wachstum und zahlreiche Unternehmenszukäufe 2018 einen Umsatz von vier Milliarden Euro – Tendenz weiter steigend.

Meilensteine der Firmengeschichte

  • 1951 Beginn der industriellen Großfertigung mit Luftfiltern für den VW Käfer

  • 1960 Papier löst Filz als Filtermedium ab.

  • 1976 Errichtung eines Werkes für Kunststoffprodukte

  • 2010 Erweiterung des Portfolios um den Bereich Wasserfiltration

  • 2018 Installation der ersten Feinstaubfresser-Säulen am Stuttgarter Neckartor


  • Region STR
  • Simon Kirchgeßner
  • 03/19