Auf Kurs in turbulenten Zeiten


Rund 9,6 Millionen Fluggäste, neue Strecken – und erstmals seit 2019 wieder ein positives Ergebnis: Der Flughafen Stuttgart konnte 2025 ein positives Fazit ziehen. Im Interview erklären die Geschäftsführer Ulrich Heppe und Carsten Poralla, warum 2026 herausfordernd wird und wie sie trotzdem weiter an der Zukunftsfähigkeit des Landesairports arbeiten.

Herr Heppe, Herr Poralla – wie ordnen Sie das Jahr 2025 ein?

Ulrich Heppe: Schon 2025 war alles andere als einfach: geopolitische Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit, hohe Dynamik im Luftverkehr, das gab es auch im letzten Jahr schon. Trotzdem haben wir es geschafft, nach den lang anhaltenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie wieder zurück in die Gewinnzone zu kommen. Das zeigt, wie leistungsstark der STR ist.

Carsten Poralla: 2025 hatten wir am Flughafen Stuttgart viele Gründe zu feiern. Wir haben neue Strecken und Restaurants dazubekommen – und konnten immer wieder mit unserem Kooperationspartner VfB Stuttgart jubeln. Gerade diese Zusammenarbeit zeigt: Der Flughafen ist mehr als Verkehrsinfrastruktur, er ist ein unverzichtbarer Teil des Landes und der Region. Gleichzeitig haben manche Airlines auch Verbindungen aus dem Programm genommen. Wichtig ist also ein realistischer Blick: Was lief gut, was müssen wir anpassen? Unser Anspruch ist klar – den Flughafen stabil zu betreiben und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Passagierzahlen sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen.

Ulrich Heppe: Mit 9,57 Millionen Fluggästen haben wir 2025 ein Plus von 4,8 Prozent erreicht. Wir sehen, dass der größte Anteil der Flüge Privatreisen sind. Businessverkehr entwickelt sich zurückhaltender, das ist ein struktureller Trend.

Carsten Poralla: Es fällt auch auf, dass wir mehr Outgoing- als Incoming-Verkehr haben. Das bedeutet: Die Nachfrage aus Baden-Württemberg ist hoch, aber weniger Menschen kommen von außen in die Region. Umso wichtiger ist es, den Standort international sichtbar zu machen.

Wie steht es um das Streckennetz?

Ulrich Heppe: Das Umfeld ist deutlich anspruchsvoller geworden: hohe Standortkosten, wirtschaftliche Unsicherheit, kurzfristige Änderungen aufgrund der weltweiten Krisen. Trotzdem bleibt die Konnektivität solide: 39 Airlines, 124 Ziele in 40 Ländern. Europa ist klar unser Schwerpunkt – perspektivisch wollen wir aber auch wieder darüber hinauswachsen.

Führungsduo mit klarem Fokus: Carsten Poralla, Geschäftsführer Non-Aviation, und Ulrich Heppe, Geschäftsführer Aviation und Sprecher der Geschäftsführung, setzen auf Stabilität, Effizienz und Zukunftsfähigkeit des Standorts. Führungsduo mit klarem Fokus: Carsten Poralla, Geschäftsführer Non-Aviation, und Ulrich Heppe, Geschäftsführer Aviation und Sprecher der Geschäftsführung, setzen auf Stabilität, Effizienz und Zukunftsfähigkeit des Standorts.
Klimastrategie im operativen Alltag: E‑Pushback‑Fahrzeuge unterstützen als Teil der E-Flotte das Ziel eines netto-treibhausgasneutralen Flughafenbetriebs bis 2040. Klimastrategie im operativen Alltag: E‑Pushback‑Fahrzeuge unterstützen als Teil der E-Flotte das Ziel eines netto treibhausgasneutralen Flughafenbetriebs bis 2040.

Wie steht es um die Finanzkraft des Landesflughafens?

Ulrich Heppe: Mit plus 2,1 Millionen Euro haben wir die Gewinnzone ein Jahr früher als geplant erreicht. Das ist ein großer Erfolg für das gesamte Team und zeigt, wie leistungsstark der STR ist, auch nach Krisen wie der Corona-Pandemie.

Für 2026 planen Sie aber erstmals mit weniger Passagieren.

Ulrich Heppe: Ja, wir rechnen mit rund 9,4 Millionen Fluggästen, etwa minus zwei Prozent. Die Gründe liegen nicht beim Flughafen, sondern im Umfeld: geopolitische Krisen, steigende Ticketpreise, strukturelle Belastungen des Luftverkehrsstandorts Deutschland. Wichtig ist, diese Entwicklung früh zu benennen – und darauf zu reagieren.

Wo setzen Sie konkret an?

Carsten Poralla: Wir haben schon Ende des letzten Jahres ein internes Sparprogramm aufgesetzt. Wir stellen unsere Prozesse auf den Prüfstand, wollen insgesamt flexibler und effizienter werden. Der Flughafen bleibt dabei aber ein verlässlicher Arbeitgeber, die Jobs und vor allem unsere Ausbildungsplätze sind sicher.

Ulrich Heppe: Gleichzeitig schauen wir nach vorne, investieren gezielt in Automatisierung und Innovation. Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht kurzfristig, sondern durch verlässliche Prozesse und ein starkes Team. Ein konkretes Beispiel sind die Sicherheitskontrollen: Ab November 2026 übernimmt der STR die operative Steuerung. Die Verantwortung bleibt bei der Bundespolizei, aber Abläufe aus einer Hand sorgen für mehr Stabilität und ein besseres Reiseerlebnis.

Und der Klimaschutz?

Carsten Poralla: Unsere Klimastrategie STRzero steht nicht zur Diskussion. Ziel bleibt der netto-treibhausgasneutrale Betrieb bis 2040. Bei allen Zukunftsprojekten hat unsere ökologische Verantwortung eine hohe Priorität. Auch die dringend notwendige Terminalsanierung werden wir umsetzen.

Ulrich Heppe: Nicht zu investieren ist keine Option, wenn wir den Flughafen zukunftsfähig halten wollen.

Zahlen & Fakten 2025

Fluggäste: 9,57 Mio. (+4,8 %);
Flugbewegungen: 95.765 (+4,3 %);
Ergebnis: +2,1 Mio. Euro;
Umsatz: 290,8 Mio. Euro;
Airlines: 39;
Ziele: 124 in 40 Ländern

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  • Jennifer Chisom Edeh
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