Mit 80 Tonnen um die Welt


Manchmal entscheidet nicht die Luftlinie über die Reisezeit, sondern das Zusammenspiel von Industrie, Logistik und Behörden. Ein Rotor aus Malaysia wird in Baden-Württemberg repariert, in England gewuchtet und fliegt schließlich von Stuttgart zurück nach Asien. Die Route wirkt kompliziert. Tatsächlich war jeder Schritt genau geplant.

Zwischen Abenteuerlust und Sicherheitsbedürfnis: Das neue Last-Minute-Reisen

Als die Antonov An-124 am Samstagnachmittag in Stuttgart landet, ist Andrea Pfeiffers Projekt abgeschlossen. „Hinter diesem Transport stehen rund 20 Wochen hochkomplexer Arbeit. Die erfolgreiche Fertigstellung eines so zeitkritischen Auftrags dieser Größenordnung macht uns stolz“, sagt Andrea Pfeiffer, Unternehmenssprecherin von KPG Rotating Solutions. 

Vorangegangen war ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein über 80 Tonnen schwerer Generator-Rotor sollte in Deutschland repariert und schnellstmöglich nach Malaysia zurückgebracht werden. Die Antriebswelle erzeugt dort Strom für mehr als 500.000 Haushalte. Um die Stillstandszeit des Kraftwerks möglichst kurz zu halten, fiel deshalb die Entscheidung für den Luftweg. „Ein Seetransport würde – je nach angelaufenen Häfen – pro Strecke etwa zwei Monate dauern. Das ist insgesamt ein enormer zeitlicher Unterschied“, sagt Max Pätzel, Cargo Charter Broker bei Chapman Freeborn Airmarketing, der die Logistik rund um den Rückflug koordinierte. „Die Fracht wiegt inklusive eigens für den Transport gebautem Fluggestell 102 Tonnen“, erklärt er. Für den Luftfrachtexperten sticht dieser Auftrag selbst in einer Branche voller außergewöhnlicher Transporte heraus. „Eine Antonov An-124 bei einem derart anspruchsvollen Schwerlastprojekt zu begleiten, ist auch für erfahrene Luftfrachtlogistiker etwas Besonderes“, sagt er und ergänzt: „Wenn ausschließlich Spezialfirmen beteiligt sind, merkt man schnell, dass es kein gewöhnliches Projekt ist.“

Vom Schwarzwald über England zurück nach Malaysia
„Hinter diesem Transport stehen rund 20 Wochen hochkomplexer Arbeit. Die erfolgreiche Fertigstellung eines so zeitkritischen Auftrags dieser Größenordnung macht uns stolz“, sagt Andrea Pfeiffer, Unternehmenssprecherin von KPG Rotating Solutions.

Anfang des Jahres war dieses Bauteil bereits per Antonov von Malaysia nach Stuttgart geflogen worden. Nach der Landung transportierte ein Tieflader die Fracht per Straßen-Schwertransport nach Albbruck in den Südschwarzwald. Dort erneuerten die Generator-Spezialisten der Firma KPG Rotating Solutions innerhalb von nur 20 Wochen die komplette Wicklung, ersetzten Isolationssysteme und brachten technische Verbesserungen ein. Das abschließende Hochgeschwindigkeitswuchten wurde bei einem Lieferanten in England durchgeführt.

Warum kam der Rotor überhaupt nach Deutschland?

KPG Rotating Solutions war in der Lage, dieses äußerst anspruchsvolle und komplexe Reparaturaufgabe deutlich schneller als der Originalhersteller durchzuführen. Möglich ist dies durch das spezialisierte Know-how für Turbogeneratoren, die langjährige Erfahrung im Service von großen rotierenden Maschinen sowie die hochleistungsfähige technische Infrastruktur im Werk von KPG im Südschwarzwald. In dieser Kombination ist KPG Rotating Solutions einer der wenigen Anbieter weltweit, die derartige Projekte in so einer Geschwindigkeit und Qualität realisieren können.

Riesen-Rotor im Werk: Die Spezial-Firma KPG Rotating Solutions aus Albbruck im Südschwarzwald übernahm die Reparatur des Bauteils aus einem Kraftwerk in Malaysia.
Wochenlange Vorbereitung für wenige Minuten Verladung

Als der Schwerlasttransporter schließlich auf dem Vorfeld eintrifft, beginnt der sichtbarste Teil der Mission. Langsam heben die Spezialkräne das Bauteil an. Mitarbeiter kontrollieren Gewichte, Winkel und Anschlagpunkte. Jeder Handgriff muss sitzen. „Wer später die Bilder der Antonov sieht, denkt, der Flug sei das Schwierigste“, sagt Pätzel. „Für mich steckt die größte Arbeit in den Wochen davor: Die eigentliche Herausforderung liegt in der Koordination aller Beteiligten, von Verpackung und Schwertransport bis zur Flughafenabfertigung. Jeder Schritt muss präzise geplant sein“, sagt er. 

"Dieses Projekt hat gezeigt, was möglich ist, wenn viele Partner perfekt zusammenspielen", sagt Max Pätzel, Cargo Charter Broker bei Chapman Freeborn Airmarketing
Erleichterung, Stolz und fünf weitere Stopps

Nachdem der Rotor sicher verladen ist, fällt die Anspannung ab. „Sobald die Bugklappe geschlossen war, wussten wir, dass der kritischste Abschnitt erfolgreich abgeschlossen war“, sagt Pätzel. Besonders hebt er das hervorragende Teamwork aller Beteiligten hervor: „Die Zusammenarbeit mit dem Flughafen und den beteiligten Unternehmen war von hoher Professionalität und Qualität geprägt. Das habe ich selten besser erlebt.“

Bis Malaysia folgte allerdings noch ein weiter Weg. Die Antonov musste insgesamt fünf Zwischenstopps einlegen. „Die vielen Halts sind nötig, weil die Maschine bei so extrem schweren Frachten weniger Treibstoff mitführen kann. Die volle Tankkapazität kann nicht genutzt werden, weil das Flugzeug sonst zu schwer wäre“, erklärt Pätzel.

„Transporte dieser Dimension sind selbst für Spezialisten in der Charterlogistik außergewöhnlich und erfordern eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Dass alles gut geklappt hat – darauf bin ich sehr stolz.“ 
Der Rotortransport zeigt die Leistungsfähigkeit eines oft unsichtbaren Netzwerks aus Industrie, Logistik und Spezialdienstleistern. Oder wie Max Pätzel es formuliert: „Dieses Projekt hat gezeigt, was möglich ist, wenn viele Partner perfekt zusammenspielen.“ 

Tonnenschwere Zentimeterarbeit: Das Verladen vom Transporter auf die Einfuhrschienen der Antonov war der spannendste Teil – hier durfte nichts schief gehen.

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  • Simon Kirchgeßner
  • 09/26