Spontan zum Airport und ab ans Meer – kann man sich das 2026 leisten? Oder sind kurzfristige Schnäppchen dieses Jahr nicht möglich? Die Flugblatt-Redaktion hat bei Last-Minute-Experten und einem Verbraucherschützer nachgefragt, wann sich Flexibilität auszahlt – und wo teure Fallen lauern.

Koffer packen, zum Flughafen fahren – und erst dort das Reiseziel wählen. In einer Zeit mit geopolitischen Krisen und den damit einhergehenden Unsicherheiten stellt sich die Frage: Funktioniert das Prinzip noch – oder ist Last Minute längst überholt? „Die Lust auf Spontanität ist geblieben – aber sie geht heute Hand in Hand mit einem stärkeren Bedürfnis nach Sicherheit“, sagt Philipp Nutsch, Bereichsleiter Sales & Marketing beim Last-Minute-Spezialisten l´tur. „Last Minute belohnt heute vor allem eines: Flexibilität“, betont Nutsch. Wer beim Reiseziel, der Abflugzeit oder dem Hotel offen sei, finde oft sehr kurzfristig noch attraktive Optionen. Bezüglich der Destinationen gebe es rund ums Mittelmeer oder in Nordafrika in diesem Sommer gute Chancen – etwa in Griechenland, der Türkei oder Ägypten. Portugal oder Marokko gelten als interessante Alternativen abseits der Klassiker.

„Es ist auch in diesem Jahr durchaus möglich, morgens zu buchen und wenige Stunden später im Flieger zu sitzen“, sagt Nutsch. Ganz praktisch könnte man mit gepackten Koffern zum Stuttgart Airport fahren, sich in Terminal 3 zum l´tur Reiseshop von Madeleine Sulz begeben und – mit etwas Glück – gleich im Anschluss für den passenden Flug einchecken. Gerade für spontane Paare oder Einzelreisende sind hier schöne Schnäppchen möglich. Für Familien und alle anderen Reisenden mit sehr konkreten Vorstellungen sei dieses Modell jedoch eher nicht zu empfehlen. Ihnen rät Nutsch, lieber frühzeitig zu buchen.

Im Reise-Shop von Madeleine Sulz landen jedoch nicht nur Freunde spontaner Reisen. „Auch wer seinen Flug verpasst hat oder von kurzfristigen Ausfällen betroffen ist, kommt zu uns“, berichtet sie. Außerdem sitzen auf ihren Beratungsstühlen auch immer häufiger Reisende, die übers Ohr gehauen wurden. „Neulich kam ein Paar, das einen Flug gebucht hat, der gar nicht existierte. Ich konnte ihnen kurzfristig eine Alternative anbieten, aber das Geld der ursprünglichen Buchung war natürlich erst mal weg“, so Sulz.

Ähnliche Fälle kennt auch Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Besonders problematisch sei aktuell die zunehmende Zahl professionell gestalteter Fake-Websites: „KI kann heute Tausende täuschend echter Internetpräsenzen in kürzester Zeit erstellen. Deshalb sollten Verbraucherinnen und Verbraucher genau hinsehen: Passt die URL? Gibt es den Anbieter wirklich? Ist die Airline seriös?“ Seiten wie der „Fakeshop-Finder“ können bei der Einschätzung helfen. „Wenn es auffällig billig ist, sollte man genau hinschauen“, warnt er. Vermeintliche Traumpreise könnten schnell zur Kostenfalle werden. Die „Schnäppchengier“ spiele Betrügern aller Couleur in die Karten. Auch bei vermeintlichen Reiseexpertinnen und Experten auf Social Media rät er zur Vorsicht. „Von Angeboten über Influencer würde ich grundsätzlich die Finger lassen“, so seine klare Empfehlung. „Lieber direkt beim Anbieter buchen.“

Am geringsten schätzt er das Risiko für alle ein, die direkt vor Ort über ein Reisebüro den Urlaub organisieren. Gerade kleinere, lokale Shops würden durch persönliche Beratung punkten und seien im Problemfall leichter erreichbar als große Vermittlungsplattformen, die ohnehin nur als Zwischenhändler agieren und bei Streitfällen abtauchten. Individualreisende hätten insgesamt mehr Eigenverantwortung. Besonders bei komplexen Reisen, etwa mit Umstiegen über große Drehkreuze oder Fernzielen, selbst organisierten Mietwagen, Transfers und Hotels könnten Komplikationen auftreten. Eine gründliche Vorbereitung sei hier besonders wichtig.
„Unterm Strich müssen sich Pauschalreisende am wenigsten Sorgen machen“, erklärt Buttler. Sie profitieren von klar geregelten Rechten bei Ausfällen, Änderungen oder Mängeln. Und so empfehle sich dieses Setup gerade auch für Kurzentschlossene. Last Minute bleibt also möglich – doch wer spontan reist, braucht heute mehr als einen gepackten Koffer und ein Nackenkissen: nämlich vor allem Flexibilität. Dann kann auch das spontane Schnäppchen noch gelingen.
